Betriebswirtschaft 1

Die Diagnose Retinopathia Pigmentosa bekam ich mit 18 Jahren. Zwar wusste ich schon lange vorher, dass mit meinen Augen etwas nicht „richtig” war, doch kein Augenarzt konnte etwas feststellen. Erst als ich frisch von der Matura kam und den Führerschein machen wollte, stellte sich bei einer Augenuntersuchung heraus, dass ich an RP leide. Ein ziemlicher Dämpfer mit 18 Jahren. Vor allem nach dem Kommentar meines damaligen Augenarztes: „Führerschein kriegen sie keinen, Studieren brauchen sie auch nicht – es ist besser, wenn sie die Blindenschule besuchen, denn sie werden bald blind sein und nicht mehr alleine aus dem Haus gehen können.” Zwar wurde diese Aussage von anderen Augenärzten bald relativiert und richtig gestellt, doch mit so einer Aussage im Hinterkopf ins Berufsleben zu starten – das war hart für mich. Nachdem ich die Schockphase überwunden hatte, schaltete ich auf „stur” und ging daran, an den Zielen zu arbeiten, die ich nach der Matura erreichen wollte und der Welt zu beweisen: „Ich bin nicht behindert – Ich sehe nur etwas schlechter!” Dies war mein Motto für die folgenden Jahre, in denen ich meine Behinderung herunterspielte, versteckte und teilweise leugnete. Mit der Zeit verschlechterte sich allerdings der Zustand meiner Augen und es wurde immer schwieriger dies zu verheimlichen. Bei neuen Jobs sagte ich nichts von meiner Erkrankung und hoffte darauf, dass ich solange wie möglich nicht auffiel und aufgrund meiner Leistung den Job auch dann behalten könnte, falls mein „Geheimnis” jemals ans Tageslicht kommen sollte. Diese Strategie ging etwa 14 Jahre lang gut. 2006 nahm ich wieder einen neuen Job an, jedoch mit viel Computerarbeit. Ich versuchte es wieder auf meine alte Weise, musste allerdings gleich am ersten Tag erkennen: Es geht nicht mehr - ich falle auf.

Diese Erkenntnis machte mir schwer zu schaffen und ich fühlte mich erstmals als Mensch mit Behinderung. Ich war ziemlich verzweifelt und fühlte mich hilflos, nutzlos und alleine. Zuspruch und Aufmunterung von meiner Lebenspartnerin und der Familie halfen mir dabei sehr wenig, da ich mich einfach unverstanden fühlte. Man hörte mir zwar zu, aber die „Weisheiten” und Durchhalteparolen von Personen ohne Behinderung brachten mir zu diesem Zeitpunkt absolut nichts. Meine Freundin erkannte dies nach einiger Zeit als Erste und begann im Internet nach professioneller Unterstützung zu recherchieren. Sie fand die Homepage von ABAK und ich vereinbarte sofort einen Termin. Das Erstgespräch mit ABAK kann ich nur so beschreiben: Es tat einfach unvorstellbar gut.

Ich fühlte mich verstanden und auch geborgen, da ich unter „Gleichen” über meine Probleme sprechen konnte. Diese Gespräche, die erhaltene Hilfestellung und die Anregungen, beispielsweise wie ich meine Behinderung als Stärke in Bewerbungsschreiben verkaufen kann, brachten mir sehr viel und bauten mich bald wieder auf. Ich wusste nun, dass es jemanden gibt an den ich mich jederzeit wenden kann und dass ich nicht alleine bin. Das ABAK-Team betreute mich optimal und unterstützte mich bei der Arbeitssuche mit zahlreichen für mich passenden Jobinseraten sowie hilfreichen Tipps. Die intensive Betreuung brachte auch bald Erfolg und ich wurde zu einem Vorstellungstermin eingeladen. So offen, wie ich meine Behinderung bereits im Bewerbungsschreiben erwähnte, so offen präsentierte ich sie auch im Vorstellungsgespräch. Die Ehrlichkeit und Offenheit über meine Stärken und Schwächen zu sprechen gefiel dem Unternehmen und nach einem zweimonatigen Praktikum bekam ich eine Fixanstellung. Nun gibt es kein „Geheimnis” mehr das ich vor anderen verbergen muss. Ich bin in meinem neuen Arbeitsteam voll integriert und akzeptiert. Meine ewige Angst, dass ich wegen meiner Behinderung weniger „wert” sei, diese Angst habe ich nicht mehr. Die Teamleitung und meine Arbeitskollegen kennen meine Krankheit und unterstützen mich so gut sie können.

Ich bin davon überzeugt, dass ich ohne die Unterstützung von ABAK immer noch auf Jobsuche wäre. Die Professionalität und die Sensibilität des ABAK-Teams war mir eine enorme Stütze und gaben mir ein neues Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen.